Wochenlanger Wahnsinn

Nachdem Deathwings Rückgrat uns schon vor einiger Zeit klein beigeben musste, war das vermeintlich Schwerste in Dragon Soul praktisch geschafft und die Instanz damit so gut wie clear. Leider häufen sich hier Phrasen wie “vermeintlich Schwerste”, “praktisch geschafft” und “so gut wie clear”. So gut wie clear war nach unserem ersten Rückgratkill dann hauptsächlich unser Raidkalender und auch unser Mitgliedervorrat. Manchmal ist ein Tank nur ein Tank und Deathwing nur Deathwing, aber manchmal ist ein Tank ein Klaviervirtuose und Deathwing ist Chopins revolutionäre Etude Op 10 No 12. Der kleinste gemeinsame Nenner von nie Lust und nie Zeit und immer Lust aber noch weniger Zeit ist im Zweifelsfalle dann leider auch buhuhu, wieder nur ein Raidtag. Wenn an diesem einen Tag dann auch noch verspätet angefangen werden muss, zwischendurch die Elektronik diverser KLÄN-Mitglieder explodiert um den Raidabend vorzeitig zu beenden und Trys, in denen man tatsächlich schon so gut wie einen Kill in der Tasche hatte in Vergessenheit geraten, hilft eigentlich nur das gegenseitige Beteuern nächste Woche 100pro, Indianerehrenwort, und auf das Grab meiner noch lebenden Mutter geschworen auf jeden Fall mindestens wieder grandiose 1,5 Raidtage raiden zu können.
Das ging dann ungefähr einen Monat lang so. Dass der finale Encounter der Instanz nicht von überrangendem Schwierigkeitsgrad war, war uns zwar auch selbst bewusst, aber selbst wenn Deathwing von ulkigen Grimassen und bösen Fratzen besiegt werden könnte, müsste man erstmal die Zeit finden, um sich vor ihn zu stellen. Auch diese Woche schien das wieder schwer möglich; verspäteter Anfang, Kelios am Rechner seines Bruders, wegen Geburtstagen und den Bayern fiel der Mittwoch flach und wegen Urlaubern eine komplette Woche ab kommendem Samstag. Da schrumpft die Raidwoche wieder auf potentiell satte 3 Stunden zusammen. Erfreulicherweise reichte sogar noch weniger, um den von nunmehr 15% Altersschwäche befallenen Trash bis Madness zu überwinden und anschließend nach einer handvoll Trys bereits einen Kill vor sich zu haben. Wenn man nach etlichen IDs doch langsam aber sicher entsprechendes Gear sein eigen nennt, den Encounter auch halbwegs kennt (ohne ihn ansatzweise zu verstehen) und auch noch von Blizzards monatlich steigender Idiotenbeihilfe befeuert wird, kann man auch kaum noch anders als die Instanz endlich zu clearen. Sicherlich hätten wir den Spaß schon vor Wooooochen schaffen können oder zumindest sollen, nur müsste man dazu halt auch tatsächlich raiden. Wenn der liebe Gott vor den Erfolg den Schweiß setzt, setzen wir uns erstmal gemütlich auf den nächstbesten Sonnenstuhl.

Man beachte Claus’ tolle Schuhe, die er extra für den Kill noch transmogrifizieren musste. Ein Augenschmaus.

In jedem Falle ist das Addon damit “geschafft”. Dadurch, dass der absolute Großteil von uns erst mit Dragon Soul Release wieder anfing, bestünde natürlich noch eine ganze Menge Nachholbedarf in so ziemlich jeder Raidinstanz, die Cataclysm zu bieten hat. Dagegen sprechen allerdings alte Kriegsverletzungen, die überraschend wieder zu schmerzen beginnen, sobald man dies erwähnt und die üblichen Ausreden, die man über viele Jahre hinweg perfektionieren musste. “Blackwing Descent? Mein Hund hat die Tastatur gefressen! Firelands? Habe leider meinen Bildschirm in meiner anderen Wohnung vergessen!” In jedem Falle winden wir uns da wohl vorerst recht gekonnt drum herum und farmen all das schöne Gear, das wir im Prinzip gar nicht brauchen und das uns deswegen auch nie droppt. Immerhin brauchen wir nun kein schlechtes Gewissen mehr heucheln, weil wir wieder nur einen Tag raiden können.

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März 30, 2012 in Cataclysm, Dragon Soul, Raids

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